literarische ‹bersetzerin Englisch-Deutsch

 
< zurück
     

Aktuelle Stellungnahmen


   
     
> Daniela Dahn "Zentrum gegen Krieg"
  > Richtigstellung
  > Zur Kritik Peter Kusenbergs
  > Zur Antwort Peter Kusenbergs
   
   

Aufruf für ein "Zentrum gegen Krieg"

Das geplante und anhaltend umstrittene Zentrum gegen Vertreibung unterliegt, entgegen den Intentionen des Parlaments, der Gefahr, als Instrument der Anklage missverstanden zu werden. Dieser Missdeutung, die auch in Polen und Tschechien sehr bald laut geworden ist, sollte begegnet werden. Geht es hier wirklich nur um das Recht auf eine Klagemauer, um Verständnis und Versöhnung, oder geht es um die Zuweisung von Schuld und Unrecht Richtung Osteuropa, mit dem Ziel einer Bewusstseinsverschiebung, die schließlich auch eine Eigentumsverschiebung ermöglichen wird?
Vertreibung ist eine von vielen entsetzlichen Kriegsfolgen. Genauso gut könnte man ein Zentrum gegen Gebietsannexionen befürworten, eins gegen die Geringschätzung des Lebens von Soldaten, gegen Massaker an Zivilisten, gegen Bombenopfer und Ruinen, eins gegen Zwangsarbeit und Gefangenenlager, gegen Hunger und Typhus, ein Zentrum gegen Ver-gewaltigung, gegen Verrohung der Sitten, gegen "ethnische Säuberungen", gegen Vergeltung und Strafe der Sieger.
All dies sind im letzten Jahrhundert die fatalen Folgen von Kriegen gewesen, je schrecklicher der Krieg, je fataler. Verurteilt man aber die Folge und nicht die Ursache, so greift man zu kurz, ja weckt Illusionen. Man suggeriert, nach Angriffskriegen könnten deren unvermeidliche Folgen vermieden werden.
Für die Zukunft folgt daraus nicht das Unrealistische: Vertreibungen nach Kriegen sind zu verbieten. Sondern: Wer Vertreibungen verhindern will, muss Kriege verhindern.
Wir brauchen kein Zentrum gegen Vertreibung. Wir brauchen ein Zentrum gegen Krieg. Das den Jüngeren veranschaulicht, weshalb Krieg geächtet und künftig zu meiden ist. Jede Art von oben erwähnten Kriegslei-den könnte hier einen Raum bekommen, nicht nur die, die heute noch entschädigungsrelevant sind. In diesem Kontext könnte auch das im Koalitionsvertrag vereinbarte sichtbare Zeichen gegen Vertreibung seinen Platz finden.
Am Eingang wäre eine Warnung von Bertolt Brecht von 1952 denkbar: "Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungskraft für kommende Leiden, ist fast noch geringer."

Die Mitglieder des Willy-Brandt-Kreises:
Egon Bahr, Elmar Brähler, Daniela Dahn, Hans-Joachim Gießmann,
Günter Grass, Dieter Klein, Irina Mohr, Klaus Noé, Rolf Reissig, Edelbert Richter, Axel Schmidt-Gödelitz, Friedrich Schorlemmer, Klaus Staeck, Christoph Zöpel.
und:
Johannes M. Becker, Zentrum für Konfliktforschung Universität Marburg, Michael Brzoska und Reinhard Mutz, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, Reiner Diederich, Vorsitzender der KunstGesellschaft Frankfurt a.M., Hans-Peter Dürr, Physiker, Friedensnobelpreisträger, Rolf Gössner, Präsident der Internationalen Liga für Menschenrechte, Margret Hamm, Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten, Werner Heiden, Deutscher Friedensrat, Lühr Henken, Hamburger Forum für Frieden, Völkerverständigung und weltweite Abrüstung, Willi Hofmeister, Ostermarschkreis Ruhr, Jörg Huffschmid, Wissenschaftlicher Beirat von Attac, Klaus Mucha, Aggressionsforscher, Ursula Peters, Großmütter gegen den Krieg, Johannes Pfäfflin, Psychotherapeutischer Arbeitskreis für Betroffene des Holocaust e.V., Peter Pogany-Wnendt, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Werner Ruf und Peter Strutynski, Bundesausschuss Friedensratschlag, Ulrich Schneider, Generalsekretär der Internationalen Förderation der Widerstandskämpfer, Siegfried Schröder, Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg, Martin Schult, Geschäftsstelle Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, Joachim Sensebusch, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes, Wolfgang Sternstein, Friedens- und Konfliktforscher, Johano Strasser, PEN-Präsident, Stephan Tanneberger , Krebsforscher, Horst Trapp, Friedens- und Zukunftswerkstatt Frankfurt a.M., Peter C. Walther, Initiative gegen Rechtsextremismus, Markus Weingardt, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft FEST, Henning Zierock, Arno Gruen und Konstantin Wecker, Kultur des Friedens.

Unterzeichnungsmöglichkeit: www.brandt-kreis.de

Richtigstellung

Aus gegebenem Anlass erkläre ich hiermit, dass es sich bei meiner in Heft 40/2006 der Zeitschrift Übersetzen erschienenen Rezension zu Klaus Reicherts Prosa-Übersetzung der Shakespeare-Sonette um einen Nachdruck aus der philologischen Fachzeitschrift Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen handelt. Die Redaktion der o. g. Fachzeitschrift hatte mich mit dieser Besprechung beauftragt, gerade weil ich die Shakespeare-Sonette vor längerer Zeit selbst übersetzt habe (erschienen als Hardcover 1994 - 2000 in drei Auflagen im Straelener Manuskripte Verlag unter dem Titel William Shakespeare, The Sonnets / Die Sonette und 1999 bei dtv als Taschenbuch und in 3. Auflage nach wie vor lieferbar - unter dem Titel William Shakespeare, Die Sonette). Die Redaktion von Übersetzen hatte ich über den Umstand, dass der Beitrag bereits anderweitig veröffentlicht worden war, vorab in Kenntnis gesetzt. Es liegt auf der Hand, dass die Verfasserin, nachdem sie gerade wegen ihres Sachverstands als Übersetzerin der Sonette mit der besagten Rezension beauftragt worden war, im Text ihrer Besprechung nicht auf ihre eigene Übersetzung der Sonette Bezug zu nehmen hatte, zumal dies in den bibliographischen Angaben zum Beitrag vermerkt war. Dass die Zeitschrift Übersetzen auf bibliographische Angaben bislang grundsätzlich verzichtet und im konkreten Fall auch auf die Information verzichtet hat, dass es sich bei meiner Rezension um einen Nachdruck handelt, liegt nicht in meiner Verantwortung. Ich weise daher mit aller Entschiedenheit die von Elisabeth Edl in einem Leserbrief in Heft 41/2007 der Zeitschrift Übersetzen erhobenen Behauptungen zurück, dass

1. die Verfasserin der o. g. Rezension "absichtsvoll" verschwiegen habe, dass sie die Shakespeare-Sonette vor 13 Jahren selbst übersetzt hat;

2. sie mit ihren kritischen Anmerkungen zu Klaus Reicherts 2006 im Verlag Jung & Jung erschienener Übersetzung der Shakespeare-Sonette habe zeigen wollen, "wie wenig sie von Klaus Reicherts Arbeit hält";

3. sie mit ihrer Rezension einem Konkurrenten habe schaden wollen;

4. es ihr an kollegialer Solidarität und Anstand fehle.

Richtig ist vielmehr, dass ich

1. in meiner Besprechung an keiner Stelle ad personam argumentiere, sondern meine Kritik sich auf sachliche, philologischen Kriterien folgende Analysen stützt;

2. ich, nachdem ich nach wie vor regelmäßig von verschiedenen Universitäten zu Vorträgen über meine Übersetzung der Shakespeare-Sonette eingeladen werde, für diese Arbeit außerdem 1997 mit dem Wieland-Preis ausgezeichnet wurde, die Taschenbuch-Ausgabe weiterhin lieferbar und an Schulen und anglistischen Seminaren verbreitet ist und mein Name in der Öffentlichkeit auch 13 Jahre nach ihrem Erscheinen noch permanent mit dieser Übersetzung in Verbindung gebracht wird, davon ausgehen zu dürfen meinte, dass ich auch dem Leserkreis der Zeitschrift Übersetzen als Übersetzerin der Shakespeare-Sonette bekannt sei;

3. ich meine kollegiale Solidarität sowohl durch ehrenamtliche Arbeit in diversen Gremien des VdÜ als auch durch Aktionen wie "Ein Rollstuhl für Juan del Solar" und "Ein Laptop für Juan del Solar" sowie durch jederzeit bereitwillige Beantwortung von Kollegen-Fragen, aber auch durch den Versuch, Berufsanwärter in Form von Praktika zu unterstützen, hinreichend unter Beweis gestellt habe;

4. ich meiner Informationspflicht gegenüber der Redaktion von Übersetzen nachgekommen bin und etwaige Versäumnisse der Redakteurin Kathrin Razm nicht meiner Person anzulasten sind.

Ich kenne und schätze die Arbeit von Klaus Reichert, muss aber unumwunden zugeben, dass die spezielle Arbeit, um die es hier geht, also seine Prosa-Übersetzungen der Shakespeare-Sonette, mich persönlich ebenso wenig zu überzeugen vermag wie das, was er im Vorwort zu seiner Übersetzung schreibt.

Nachdem ich den größten Teil meines Lebens in Verhältnissen gelebt habe, in denen das Recht auf freie Meinungsäußerung sehr wenig galt, befremdet es mich, die Erfahrung machen zu müssen, dass man mir mit Hilfe absurder Verdächtigungen und Diffamierungen in aller Öffentlichkeit das Recht absprechen will, als Rezensentin meine subjektive Meinung zu einer ganz konkreten Arbeit eines von mir im allgemeinen geschätzten Akademikers zu äußern, der mir in diesem einen, konkreten Fall als Übersetzer entgegentritt.

Meine Rezension zu Klaus Reicherts Übersetzung der Shakespeare-Sonette finden Sie, ebenso wie den Leserbrief von Elisabeth Edl, weiter unten unter der Rubrik "Stimmen zum Thema literarisches Übersetzen"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

^

 

 

 

 

 

 

 

 

^

 

 

 

 

 

 

 

 

 

^

     
       
  Zur Kritik Peter Kusenbergs    
       
  Der Autor und Journalist Peter Kusenberg, der nach eigenen Aussagen unter anderem auch Übersetzer ist, betätigt sich auf seiner WebSite http://www.peterkusenberg.de/seiten/Babel_Herausforderung.htm als tapferer Kämpfer wider Sprachschluderei und Anprangerer von Anglizismen. Mitunter tut er allerdings im Eifer des Gefechts des Guten zuviel. Zum Beispiel, wenn er meint, meine Kollegin Cornelia Holfelder-von der Tann und mich an den Schandpfahl nageln zu müssen. Er schreibt:

"In William Gibsons neuestem Roman, Mustererkennung, schreiben die Übersetzer Cornelia Holfelder-von der Tann und Christa Schuenke auf Seite 160 der deutschen Ausgabe (Klett-Cotta, 2004):

Leck mich doch die heilige Feuerzunge! Dachte schon, ich wäre der
einzige hier draußen, der sich für die spezielle Schönheit dieses
extrem abwechslungsreichen Stücks extraordinärer kinematischer
Prärie begeistert.

Hier bewog vielleicht eine extra ordinärere Müdigkeit die übersetzenden Damen, die englischen Wörter nur leicht anzudeutschen, statt sie zu übersetzen."

Dazu konnte ich nicht schweigen. Hier meine Erwiderung:

Lieber Peter Kusenberg,

gestatten Sie, dass ich unsere Übersetzungslösung erkläre: Ihre Kritik scheint mir weniger über die Qualität unserer Übersetzung als über die Intensität Ihrer Lektüre auszusagen, veranlaßt sie mich doch zu der Vermutung, daß Sie den Roman von Gibson bzw. unsere Übersetzung desselben nicht in gänze gelesen haben, sonst hätten Sie nämlich gemerkt, daß dieses "Anübersetzen", wie Sie so hübsch sagen, eine Methode der Herstellung ironicher Distanz in der Figurensprache ist, die wir durch das ganze Buch hindurch immer wieder verwenden. Außerdem handelt es sich, wie unschwer zu erkennen, bei der zitierten Stelle um erlebte Rede der Hauptfigur Cayce Pollard, die sich bemüht distanziert zu ihrer Umwelt verhält, was sich eben in einer solchen Wortwahl manifestiert. Darüber hinaus persiflieren wir den heutigen Sprachgebrauch deutscher Yuppies aus der sozialen Schicht, der diese Cayce Pollard angehört.
Schade, dass Sie nicht gründlicher gelesen haben. Ich werde mir erlauben, das bewußte Zitat, Ihre Interpretation und meine Erwiderung auf meine WebSite zu stellen.
Im übrigen werden Sie lange suchen müssen, bis Sie in den mittlerweile fast 130 von mir übersetzten Büchern auf einen ungewollten Anglizismus stoßen.

Nichts für ungut und beste Grüße,

Christa Schuenke

Antwort Peter Kusenbergs

Liebe Frau Schuenke,

herzlichen Dank für Ihre Nachricht (...) Was Sie andeuten, stimmt: Ich hatte die deutschsprachige Version des Romans nur auszugsweise gelesen, als ich das Mecker-Textchen schrieb, zuvor hatte ich das Original gelesen und eine Lektüre der deutschen Version nur begonnen.

Anglizismen finde ich übrigens gut, solange sie sich harmonisch in den Text schmiegen. Das scheint mir bei Ihrer Übersetzung der Fall zu sein, daher entschuldige ich mich für meine schwächlich fundierte Kritik....

Beste Grüße,

Peter Kusenberg.

 

^

 

 

 

 

 

 

 

 

^

       
< zurück
Seitenanfang
home >